Der Bogen - Werkzeug, Jagdwaffe, Kriegsgerät

Vor 12.000 Jahren  (Funde von knöchernen und aus Feuerstein gefertigten Pfeilspitzen), vertraute der Mensch auf eine simpele wie effektive Erfindung, Pfeil und Bogen.
Spätestens die 8000 Jahre alten Überreste eines hölzernen Bogens, welche in Dänemark entdeckt wurden, belegen die lange Zeitspanne, welche der Mensch bereits den Bogen nutzt.


Während wir mit Pfeil und Bogen heutzutage überwiegend Robin Hood oder Mittelalterklischees assoziieren (Als Waffe die sich lediglich über einige Jahrhunderte etablierte und dann aus der Geschichte verschwand), war er jedoch ein Nutzobjekt das dem Mensch seit der Steinzeit das Überleben ermöglichte (zumindest erleichtert hat) und über Zeitalter hinweg sogar Großreiche und Nationen beeinflusste, gar formte.
In heutiger Zeit bedient der Bogen allerdings nur noch eine seiner Primärfunktionen, die der Jagd. Zwar nicht überall rechtlich als Jagdwaffe zugelassen, erfreut sich der Bogen immer mehr Beliebheit unter Gelegenheits- und Profijägern.


Doch auch im Bereich Sport hat das Bogenschießen seinen Platz gefunden. Die Wurzel als Freizeitbeschäftigung und Sportbetätigung (wenigstens in europäischen Gefilden), hat der Bogensport in Belgien und frühviktorianischen England des beginnenden 19. Jahrhunderts (auf der Insel war der Sport anfangs eher als körperschonende Betätigung für Frauen aus höheren Gesellschaftskreisen gedacht).


Eigentlich ist der Aufbau und Funktion des Bogens, relativ simpel, ebenso scheint seine Benutzung. Doch so einfach es bei einem geübten Schützen aussieht einen Pfeil abzufeuern und in sein Ziel zu bringen, so ungeheuer viel Können und Übung erfordert es, geschweige denn die Kraft die benötigt wird um einen starken Langbogen aus Eibe oder einen kompakten Reiterbogen aus Horn zu spannen.


Doch besinnen wir uns auf die Entstehung der ersten großen Zivilisationen unserer Geschichte zurück. Ob Ägypter, Hetiter, Sumerer, Perser, Phönizer, Griechen oder Römer, mit ein jeder dieser Großreiche und Imperien gingen große Kriege einher. Und gleich auf wurde den Menschen auch das Potenzial einer Waffe bewusst, die aus der Ferne einen Feind fällen, ja ganze Schlachten beeinflussen und sogar entscheiden konnte.
Viele Kulturen haben während ihrer Existenz großartige Schützen hervorgebracht, teils aufgrund er Tatsache das das Bogenschießen ein wichtiger Teil dieser Kultur war oder weil es die Umstände erforderten, Pfeil und Bogen beherrschen zu können. Die Bogenschützen von Kreta, Hunnische Reiter, syrische Söldner (welche die schwere Linieninfnterie römischer Legionen unterstützten) und die berüchtigten Langbogenschützen der "Yeomen" (Englisch/Angelsächsisch für "Mann vom Lande", Freibauern Englands).


Den Nutzen des Bogen, als militärisches Gut, zieht sich von der frühesten Antike bis ins späte Mittelalter. In dieser Zeitspanne waren den Feldherren und Soldaten die Wirksamkeit dieser Fernkampfwaffe stets gewahr, auch wenn sie mit dem ausgehenden Mittelalter von Schwarzpulverwaffen verdrängt wurde. Doch diente das Prinzip des Bogen auch als Basis für weitere Entwicklungen in der Waffentechnologie. Beispielsweise wurde aus der Grundlage der Wurfarme des Bogens große Artilleriegeschütze wie Ballisten oder furchtbar durchschlagskräftige Armbrüste konzipiert.


Um auf das Geschick der damaligen Bogenschützen zurückzukommen, das diese sich im Jahrelangem Üben und in praktischer Anwendung aneigneten, dient der englische Lanbogenschütze als hervoragendes Beispiel. Dieser Typus Soldat hat sich in seiner Historie einen Ruf erworben, der bis heute nachhallt. Die englischen Schützen hatten eine furchterregende Reputation im Europa des Mittelalters, allein aufgrund der Tatsache das sie in der Lage waren die Sturmangriffe der damaligen Kriegerelite feudaler Ritter zu zerschlagen. Dabei galten diese bis dato als schlagkräftigste und robusteste Einheit, die die Schlachtfelder beherrschten.


Eine Ursache für diese Kampfkraft, lag in einem königlichem Edikt, welches jeden freien Mann des Bauernstandes dazu verpflichtete ab seiner Jugend, jeden Sonntag den Umgang mit dem Lanbogen zu proben. So war für ein Gros der angelsächsischen Lanbevölkerung mindestens eine Vertrautheit mit der Waffe gegeben. Da jedoch viele Männer die Gelegenheit nutzten und Berufssoldat im Dienste der englischen Könige zu werden, intensivierten sich die Übeinheiten für jene. Die enorme Physis die nötig war um einen Eibenlangbogen zu führen, sind durch Funde belegt. Tatsächllich soll es Schützen gegeben haben die Bögen bis zu 200 Pfund Zugkraft spannen konnten. Einseitige Knochenverformungen/verstärkung im Bereich des Schultergelenkes (bei aus dem Mittelalter gefundenen Skeletten), bestätigen diese Leistung. Ebenso die Tiefe, eingedrungener Projektielle, die man aus alten und massiven englischen Eichentoren geborgen wurden.


Doch derart berüchtigt und gleichmit Berühmt zu sein rührt nicht von einem königlichen Erlass oder einem kräftigem Zugarm, dieser Ruf wurde über viele Schlachten hinweg verdient. Es war der Hundertjährige Krieg, ein ständig an- und abflauender Konflikt der sich vom 14. bis ins 15. Jahrhundert erstreckte, in dem den englischen Monarchen beinahe gelang das feudalistische Frankreich zu bezwingen, in dem sich die Yeomen bewährten. Während ein Großteil Europas Reiche auf ihre schwere Infanterie und Reiterei (in Form von Rittern/Bürgerwehr oder Waffenvolk) vertrauten, bestanden englische Heere zu weiten Teilen aus Langbogenschützen die sekundär mit panzerbrechender Handwaffen (Streithämmer, Stoßdolche, Streitkolben, Falchions usw.) bewaffnet waren. Anfangs belächelte die französische Ritterschaf, die sich aus dem Adel formierte, ihre Gegner von größtenteils einfacher Herkunft, welche sich unberitten, leicht gepanzert und oft in Unterzahl den brachialen Sturmangriffen französischer Panzerritter entgegenstellten.
Doch diese anfängliche Geringschätzung schwand auf einen Schlag, als die mit Bodkinspitzen (gehärtete, kantige und spitzzulaufende Pfeilspitzen um Rüstzeug zu durchstoßen) versehene Pfeilschäfte Pferde zu Fall brachten, Plattenrüstzeug durchhämmerten und Körper aufspießten. Bis auf Entfernungen von 200 Meter konnten die Langbogenschützen ihre Wirkung entfalten, zwar unwahrscheinlich Plattenharnische durchbrechen aber denoch leichte Panzerungen. Eine beliebte Taktik war es den Feind, vor allem bei schwer gerüsteten, sich bis auf eine geringe Schußdistanz annähren zu lassen und dann einen waren Sturm aus Projektielen zu entfesseln. Bis zu 12 Pfeile (vielleicht sogar mehr) konnte ein geprobter Soldat in einer Minute abfeuern. Die selbstbewusste Offensive französischer Panzerkrieger wurde durch einen nicht endenden Geschoßhagel zum erliegen gebracht. Die aufgelöste Schlachtlinie die es denoch bis zur englischen Front schaffte, wurde brutal im Nahkampf niedergemacht, da die englischen leichten Fußtruppen sich hervorragend darauf verstanden die wuchtig geharnischten Franzosen zu isolieren und unschädlich zu machen.


So verhasst waren die Langbogenschützen bei den Franzosen, da es als feige und unritterlich galt aus der Entfernung zu töten, dass es nicht unüblich war, einem gefangenen Schützen Zeige-, Mittel- und Ringfinger abzutrennen, sollte man ihn überhaupt am Leben lassen. Zwei Finger in die Luft zu strecken (praktisch ein geschloßenes Paxzeichen), war daher eine Provokation an den Feind um ihn zu reizen und zu symbolisieren "Kommt und holt sie euch!". Zumindest behaupten einige Quellen dies.


Militärdesaster dieser Art, sind durch Namen wie Crecy und Aginciourt, in den Geschichtsbüchern und Erinnerungen der Menschen erhalten geblieben. Manche Historiker oder Laien bezeichnen diese Schlachtfeldkatastophen als den Untergang der Ritterschaft, eine Kaste die durch Fortschritte in der Kriegsführung obsulet gemacht wurde. Doch trotz solcher Behauptungen hielt sich der Ritterstand militärisch gesehen bis ins 16. Jahrhundert. Und obwohl es die neue Generation von Schießpulverwaffen war, die für das endgültige Verschwinden von Rittern und der massiven Ganzkörperplatte sorgte, war es doch eine ganz einfache Konstruktion aus Holz, Wurfarme, Sehne und Pfeilschaft, die den Anstoß oder wenigstens die Idee für die Umwälzung der Kriegsführung erzeugte, vom Mittelater in die Neuzeit.

Text: L. Betz

Der Verein trauert um Otto Kroyer
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